Der Urlaub ist vorbei, die Koffer sind ausgepackt – doch statt gut erholt zurückzukehren, beginnen Fieber, Durchfall, Husten, Hautveränderungen oder eine ungewöhnliche Erschöpfung.
In den meisten Fällen steckt auch nach einer Reise eine häufige und unkomplizierte Erkrankung dahinter. Dennoch kann das Reiseziel für die medizinische Beurteilung entscheidend sein. Manche Infektionen treten erst Tage oder Wochen nach der Rückkehr auf. Einzelne Erkrankungen können sich sogar erst Monate später bemerkbar machen.
Deshalb gilt: Wenn Sie nach einer Reise erkranken, erwähnen Sie bei der Terminvereinbarung und im Arztgespräch immer, wo und wann Sie unterwegs waren – auch wenn Ihnen die Reise zunächst nicht wichtig erscheint.
Nicht jede Erkrankung nach dem Urlaub ist eine Reisekrankheit
Erkältungen, Magen-Darm-Infekte, Harnwegsinfektionen oder andere alltägliche Erkrankungen können natürlich auch unabhängig von einer Reise auftreten. Klimaanlagen, Menschenansammlungen, ungewohnte Speisen, Hitze, Schlafmangel und die Anstrengung der Rückreise können den Körper zusätzlich belasten.
Das bedeutet aber nicht, dass Beschwerden nach einem Urlaub automatisch harmlos sind. Je nach Reiseziel und möglichen Kontakten müssen andere Ursachen mitbedacht werden als bei einer Erkrankung zu Hause.
Für die Beurteilung sind insbesondere folgende Fragen wichtig:
- In welchen Ländern und Regionen waren Sie?
- Wann sind Sie zurückgekehrt?
- Wann haben die Beschwerden begonnen?
- Gab es Insekten- oder Zeckenstiche?
- Hatten Sie Kontakt zu Tieren?
- Haben Sie ungekochtes Essen oder möglicherweise verunreinigtes Wasser konsumiert?
- Haben Sie in Seen, Flüssen oder anderen Süßwassergewässern gebadet?
- Gab es ungeschützte Sexualkontakte?
- Wurden Sie im Ausland medizinisch oder zahnärztlich behandelt?
- Haben Sie während der Reise Antibiotika oder andere Medikamente eingenommen?
- Sind Mitreisende ebenfalls erkrankt?
Auch Zwischenstopps und kurze Aufenthalte können medizinisch relevant sein.
Wann ist sofort der Notruf 144 erforderlich?
Bestimmte Beschwerden sind unabhängig vom Reiseziel als medizinischer Notfall zu betrachten. Wählen Sie umgehend den Notruf 144 bei:
- schwerer oder plötzlich auftretender Atemnot,
- starken oder plötzlich einsetzenden Brustschmerzen,
- Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit oder Krampfanfällen,
- Kreislaufkollaps,
- rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes,
- Fieber mit Nackensteifigkeit oder Bewusstseinsveränderung,
- ungewöhnlichen Blutungen oder zahlreichen punktförmigen Hauteinblutungen,
- sehr starken oder rasch zunehmenden Bauchschmerzen,
- Zeichen eines schweren Flüssigkeitsmangels,
- einseitiger Beinschwellung in Verbindung mit Atemnot oder Brustschmerzen.
In diesen Situationen sollte nicht auf einen regulären Ordinationstermin gewartet werden.
Bei Unsicherheit können Sie sich außerdem an die telefonische Gesundheitsberatung unter 1450 wenden. Außerhalb der Ordinationszeiten steht der Ärztefunkdienst unter 141 zur Verfügung.
Fieber nach einer Reise
Fieber ist eines der wichtigsten Warnzeichen bei erkrankten Reiserückkehrer. Häufig steckt ein gewöhnlicher Virusinfekt dahinter. Nach Aufenthalten in bestimmten Regionen müssen jedoch auch andere Infektionen berücksichtigt werden.
Besonders wichtig: Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet
Wer sich in einem Gebiet mit Malariarisiko aufgehalten hat und anschließend Fieber, Schüttelfrost oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl entwickelt, sollte noch am selben Tag medizinisch untersucht werden.
Das gilt auch dann, wenn:
- eine Malariaprophylaxe eingenommen wurde,
- die Reise bereits mehrere Wochen zurückliegt,
- das Fieber nur phasenweise auftritt oder
- zusätzlich Durchfall, Erbrechen, Kopf- oder Gliederschmerzen bestehen.
Eine korrekt eingenommene Prophylaxe senkt das Erkrankungsrisiko, kann eine Malaria aber nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Bei unklarem Fieber sollte ein Aufenthalt in einem Malariagebiet auch innerhalb des vergangenen Jahres erwähnt werden.
Weitere Warnzeichen bei Fieber
Eine rasche ärztliche Abklärung ist auch sinnvoll, wenn Fieber:
- hoch ist oder über mehrere Tage anhält,
- nach einer vorübergehenden Besserung erneut auftritt,
- von einem Hautausschlag begleitet wird,
- gemeinsam mit Gelbsucht, starken Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit auftritt,
- mit Atemnot oder Brustschmerzen verbunden ist oder
- zu einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes führt.
Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen
Durchfall gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen während und nach einer Reise. Viele akute Durchfallerkrankungen klingen innerhalb weniger Tage wieder ab. Entscheidend ist zunächst, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen.
Trinken Sie regelmäßig kleine Mengen. Bei stärkerem Durchfall oder Erbrechen können Elektrolytlösungen hilfreich sein.
Eine ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:
- Blut oder schwarzer Verfärbung des Stuhls,
- hohem Fieber,
- starken oder zunehmenden Bauchschmerzen,
- anhaltendem Erbrechen,
- fehlender Möglichkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten,
- deutlicher Schwäche oder Kreislaufproblemen,
- wenig beziehungsweise auffällig dunklem Harn,
- trockenen Schleimhäuten, Verwirrtheit oder ausgeprägtem Schwindel,
- Durchfall, der länger als etwa zwei Wochen anhält oder
- Beschwerden, die nach einer Besserung erneut auftreten.
Bei länger anhaltendem Durchfall können neben Bakterien auch Parasiten oder nicht infektiöse Ursachen eine Rolle spielen. Je nach Reiseverlauf und Beschwerden können Blut- oder Stuhluntersuchungen notwendig sein.
Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten früher ärztlich beurteilt werden, da sie rascher einen gefährlichen Flüssigkeitsmangel entwickeln können.
Bitte nehmen Sie keine übrig gebliebenen Antibiotika aus der Reiseapotheke auf eigene Faust ein. Nicht jedes Mittel wirkt gegen jeden Erreger. Eine unnötige oder ungeeignete Einnahme kann Nebenwirkungen verursachen, die Diagnostik erschweren und Resistenzen fördern.
Husten und Atemwegsbeschwerden
Husten, Schnupfen und Halsschmerzen nach einer Flug-, Bahn- oder Busreise sind häufig. In Verkehrsmitteln, Hotels und bei Veranstaltungen kommen viele Menschen auf engem Raum zusammen. Dadurch können sich gewöhnliche Atemwegsinfektionen leicht verbreiten.
Ärztlich abgeklärt werden sollten:
- hohes oder anhaltendes Fieber,
- zunehmender oder sehr schmerzhafter Husten,
- Atemnot,
- Schmerzen beim Atmen,
- blutiger Auswurf,
- eine deutliche Leistungsminderung oder
- Beschwerden, die sich zunächst bessern und anschließend wieder verschlechtern.
Neben Influenza, COVID-19 und anderen häufigen Atemwegsinfektionen können je nach Reiseziel und Kontakt auch andere Erkrankungen infrage kommen.
Plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen nach einer langen Flug-, Auto- oder Busreise können außerdem auf eine Lungenembolie hinweisen. In diesem Fall muss sofort der Notruf 144 gewählt werden.
Einseitig geschwollenes oder schmerzendes Bein
Langes unbewegliches Sitzen kann das Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose erhöhen. Dabei entsteht ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, meist im Bein.
Mögliche Hinweise sind:
- eine einseitige Schwellung,
- Schmerzen oder ein Spannungsgefühl im Bein,
- eine auffällige Erwärmung oder Rötung sowie
- ein neu aufgetretener Unterschied zwischen den Beinen.
Diese Beschwerden sollten rasch ärztlich abgeklärt werden. Kommen Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder ein Kollaps hinzu, besteht der Verdacht auf eine Lungenembolie – wählen Sie sofort 144.
Hautausschläge, Insektenstiche und schlecht heilende Wunden
Insektenstiche und kleinere Hautreaktionen sind nach Reisen häufig. Meist verschwinden Rötung und Juckreiz innerhalb weniger Tage.
Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn:
- die Rötung deutlich größer wird,
- die betroffene Stelle stark schmerzt, überwärmt oder geschwollen ist,
- Eiter austritt,
- sich eine offene oder schlecht heilende Wunde entwickelt,
- eine dunkle oder schwarze Kruste entsteht,
- Fieber oder geschwollene Lymphknoten hinzukommen,
- sich ein Ausschlag über größere Körperbereiche ausbreitet oder
- punktförmige Einblutungen auftreten, die sich nicht wegdrücken lassen.
Nicht jeder Stich wird während der Reise bemerkt. Erwähnen Sie daher auch mögliche Aufenthalte in Gebieten mit vielen Mücken oder Zecken.
Fotografieren Sie auffällige Hautveränderungen am besten täglich bei ähnlichem Licht. Dadurch kann die Entwicklung bei der Untersuchung leichter beurteilt werden.
Gelbe Augen, dunkler Harn oder ungewöhnliche Erschöpfung
Gelblich verfärbte Haut oder Augen, sehr dunkler Harn und auffällig heller Stuhl können auf eine Erkrankung der Leber oder Gallenwege hinweisen.
Treten solche Veränderungen nach einer Reise gemeinsam mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Juckreiz, Bauchschmerzen oder starker Müdigkeit auf, ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich.
Bestimmte Formen der Hepatitis können durch verunreinigtes Essen oder Wasser, Blutkontakte oder Sexualkontakte übertragen werden. Die Beschwerden können erst mehrere Wochen nach der Ansteckung beginnen.
Tierbisse und Kratzverletzungen
Bisse oder Kratzer durch Hunde, Katzen, Affen oder andere Säugetiere müssen nach einer Auslandsreise ernst genommen werden. Das gilt besonders in Ländern, in denen Tollwut vorkommt.
Auch kleine Kratzer, ein Kontakt mit Fledermäusen oder Speichel auf verletzter Haut können relevant sein. Das Tier muss dabei nicht sichtbar krank gewirkt haben.
Nach einem möglichen Risikokontakt sollte die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife gespült und etwa 15 Minuten ausgewaschen werden. Anschließend ist unverzüglich eine medizinische Beurteilung notwendig – auch wenn die Verletzung bereits einige Tage zurückliegt oder vor der Reise eine Tollwutimpfung durchgeführt wurde.
Je nach Situation können eine Wundversorgung, eine Tetanus-Auffrischung und eine Behandlung gegen Tollwut erforderlich sein. Eine vor der Reise erfolgte Tollwutimpfung vereinfacht die weitere Behandlung, ersetzt sie nach einem Risikokontakt aber nicht vollständig.
Wann kann man zunächst beobachten?
Leichte Beschwerden können zunächst zu Hause beobachtet werden, wenn:
- der Allgemeinzustand gut ist,
- kein hohes Fieber besteht,
- ausreichend getrunken werden kann,
- kein Blut im Stuhl oder Erbrochenen sichtbar ist,
- keine Atemnot oder starken Schmerzen bestehen und
- sich die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit erkennbar bessern.
Hilfreich sind Ruhe, ausreichend Flüssigkeit, leichte Kost nach Verträglichkeit und eine regelmäßige Kontrolle der Körpertemperatur.
Bei Durchfall, Erbrechen oder Atemwegsbeschwerden ist außerdem eine sorgfältige Händehygiene wichtig, um Familienmitglieder und andere Kontaktpersonen nicht anzustecken. Verwenden Sie nach Möglichkeit eigene Handtücher und bereiten Sie während einer akuten Magen-Darm-Erkrankung keine Speisen für andere Personen zu.
Wer sollte besonders früh untersucht werden?
Eine frühzeitige ärztliche Beurteilung empfehlen wir insbesondere bei:
- Säuglingen und Kleinkindern,
- Schwangeren,
- älteren oder gebrechlichen Menschen,
- Personen mit geschwächtem Immunsystem,
- chronischen Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen,
- Diabetes,
- Einnahme immunsuppressiver Medikamente sowie
- einer kürzlich erfolgten Operation oder medizinischen Behandlung im Ausland.
Bei diesen Personengruppen können auch zunächst mild erscheinende Beschwerden schneller zu Komplikationen führen.
So bereiten Sie sich auf den Arzttermin vor
Je genauer die Reiseinformationen sind, desto gezielter kann die medizinische Abklärung erfolgen. Notieren Sie nach Möglichkeit:
- alle bereisten Länder und Regionen,
- Reise- und Rückkehrdatum,
- Beginn und Verlauf der Beschwerden,
- gemessene Körpertemperaturen,
- besondere Mahlzeiten oder mögliche Wasserexpositionen,
- Tierkontakte, Bisse und Kratzer,
- Mücken- oder Zeckenstiche,
- Baden in Seen oder Flüssen,
- Erkrankungen bei Mitreisenden,
- medizinische Behandlungen im Ausland,
- eingenommene Medikamente und Antibiotika,
- durchgeführte Reiseimpfungen und
- eine eingenommene Malariaprophylaxe.
Bringen Sie, sofern vorhanden, Ihren Impfpass, Medikamentenplan und Unterlagen aus ausländischen Gesundheitseinrichtungen mit.
Abklärung in der Praxis 23
Wenn Sie nach einer Reise erkranken, informieren Sie uns bitte bereits bei der Terminvereinbarung über das Reiseziel und die wichtigsten Beschwerden. Dies gilt besonders bei Fieber, Hautausschlag, starkem Durchfall oder einem möglichen Kontakt mit einer ansteckenden Erkrankung.
Je nach Situation können eine körperliche Untersuchung sowie Blut-, Harn- oder Stuhluntersuchungen notwendig sein. Nicht jede Beschwerde erfordert automatisch ein großes „Tropenlabor“. Die Auswahl der Untersuchungen richtet sich nach Reiseziel, zeitlichem Verlauf, möglichen Kontakten und dem klinischen Gesamtbild.
Falls eine rasche Untersuchung in einem Krankenhaus oder einer spezialisierten Einrichtung erforderlich ist, weisen wir Sie entsprechend weiter. Bei schweren Beschwerden oder einem medizinischen Notfall kontaktieren Sie bitte unmittelbar den Notruf 144.
Unser Fazit
Die meisten Beschwerden nach einem Urlaub sind gut behandelbar und haben keine seltene tropische Erkrankung als Ursache. Dennoch sollte die vorausgegangene Reise bei der medizinischen Beurteilung niemals verschwiegen oder vergessen werden.
Besonders Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet, blutiger oder lang anhaltender Durchfall, Atemnot, Brustschmerzen, einseitige Beinschwellungen, Gelbsucht sowie Bisse oder Kratzer durch Tiere müssen rasch abgeklärt werden.
Je früher relevante Informationen vorliegen, desto gezielter können notwendige Untersuchungen und Behandlungen eingeleitet werden.
Weitere Tipps zur Vorbereitung finden Sie in unserem Beitrag: Die richtige Reiseapotheke: Gut vorbereitet in den Urlaub.
Weiterführende Informationen
- Österreichisches Gesundheitsportal: Checkliste „Krank nach der Reise“
- CDC Yellow Book 2026: Untersuchung erkrankter Reiserückkehrer
- CDC Yellow Book 2026: Anhaltender Durchfall nach Reisen
- Österreichisches Gesundheitsportal: Lungenembolie
- AGES: Informationen zu Tollwut
- WHO: Vorgehen nach einem möglichen Tollwutkontakt
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.
