Sommerhitze in Wien: Was hohe Temperaturen mit unserem Körper machen – und wie Sie sich schützen können

31. Mai 2026

Der Sommer hat heuer gefühlt schon im Mai angeklopft. Bereits die ersten warmen Wochen des Jahres haben gezeigt, wie belastend hohe Temperaturen für den Körper sein können. Während viele Menschen Sonne und warme Tage genießen, stellt Hitze aus medizinischer Sicht eine ernstzunehmende Belastung dar.

Besonders ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen sollten während Hitzeperioden aufmerksam auf ihren Körper achten.

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich auch in Wien zunehmend bemerkbar. Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C treten häufiger auf, Hitzewellen dauern länger und auch die Nächte bringen oft keine ausreichende Abkühlung mehr. Entsprechend wichtig ist es, rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz der eigenen Gesundheit zu ergreifen.

Warum Hitze den Körper belastet

Der menschliche Körper versucht permanent, seine Kerntemperatur bei etwa 37 °C zu halten. Steigen die Außentemperaturen, müssen verschiedene Mechanismen aktiviert werden, um eine Überhitzung zu verhindern.

Die Blutgefäße erweitern sich, um mehr Wärme über die Haut abzugeben. Gleichzeitig produziert der Körper Schweiß, dessen Verdunstung für zusätzliche Kühlung sorgt.

Diese Anpassungsmechanismen funktionieren grundsätzlich sehr gut, kosten den Körper jedoch Energie und führen zu einem erhöhten Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust.

Werden Wasser und Elektrolyte nicht ausreichend ersetzt, können Beschwerden entstehen wie:

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Muskelkrämpfe
  • Kreislaufprobleme

Besonders belastend wird Hitze, wenn sie über mehrere Tage anhält und auch nachts keine ausreichende Abkühlung mehr erfolgt. Der Körper erhält dann kaum Gelegenheit zur Erholung.

Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind

In unserer Ordination sehen wir während heißer Sommerperioden regelmäßig Patientinnen und Patienten, die unter Kreislaufbeschwerden, Schwindel oder Erschöpfung leiden.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Fähigkeit des Körpers, auf hohe Temperaturen zu reagieren. Das Durstgefühl nimmt oft ab, wodurch weniger getrunken wird als tatsächlich notwendig wäre.

Zudem funktionieren die körpereigenen Kühlmechanismen weniger effizient. Viele ältere Menschen schwitzen weniger stark und können Wärme dadurch schlechter abgeben.

Gleichzeitig bestehen häufig Begleiterkrankungen wie:

  • Bluthochdruck
  • Herzschwäche
  • Diabetes mellitus
  • chronische Nierenerkrankungen

Diese Erkrankungen erhöhen das Risiko für hitzebedingte Komplikationen zusätzlich.

Hitze und Blutdruck

Ein häufiges Thema in den Sommermonaten sind Blutdruckschwankungen.

Durch die Erweiterung der Blutgefäße sinkt der Gefäßwiderstand. Dadurch können die Blutdruckwerte niedriger ausfallen als gewohnt. Gleichzeitig geht durch das Schwitzen Flüssigkeit verloren.

Viele Betroffene berichten daher über:

  • Schwindel beim Aufstehen
  • Unsicherheit beim Gehen
  • allgemeine Schwäche
  • Müdigkeit
  • Benommenheit

Insbesondere Menschen, die Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen, sollten diese Beschwerden ernst nehmen.

Wichtig ist jedoch: Medikamente sollten niemals eigenständig reduziert oder abgesetzt werden. Falls wiederholt Kreislaufprobleme auftreten, sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen.

Medikamente und Hitze

Hohe Temperaturen können die Wirkung verschiedener Medikamente beeinflussen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen unter anderem:

Entwässerungstabletten (Diuretika)

Diese Medikamente werden häufig bei Bluthochdruck oder Herzschwäche eingesetzt. Da sie die Ausscheidung von Flüssigkeit fördern, kann während Hitzeperioden das Risiko einer Austrocknung steigen.

Blutdruckmedikamente

Durch die natürliche Gefäßerweiterung bei Hitze kann die blutdrucksenkende Wirkung stärker ausfallen als gewohnt.

Psychopharmaka

Einige Medikamente können die Wärmeregulation des Körpers beeinflussen oder das Durstgefühl verändern.

Medikamente bei Diabetes

Hohe Temperaturen können den Stoffwechsel beeinflussen. Zusätzlich steigt bei Flüssigkeitsmangel das Risiko für Komplikationen.

Sollten Sie unsicher sein, ob Ihre Medikamente während einer Hitzewelle besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern, sprechen Sie uns gerne an.

Ausreichend trinken – aber nicht erst bei Durst

Viele Menschen verlassen sich auf ihr Durstgefühl. Gerade bei älteren Personen ist dieses jedoch oft unzuverlässig.

Empfehlenswert sind:

  • Leitungswasser
  • Mineralwasser
  • ungesüßte Tees
  • verdünnte Fruchtsäfte

Die optimale Trinkmenge ist individuell unterschiedlich und hängt von Alter, Körpergewicht, Aktivität und bestehenden Erkrankungen ab.

Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche oder bestimmten Nierenerkrankungen sollten sich bezüglich ihrer optimalen Trinkmenge ärztlich beraten lassen.

Die Mittagshitze möglichst meiden

Die höchsten Temperaturen werden meist zwischen 11 und 17 Uhr erreicht.

Wenn möglich sollten körperliche Aktivitäten, Spaziergänge oder sportliche Betätigung auf die frühen Morgenstunden oder den Abend verlegt werden.

Auch Besorgungen oder Arzttermine lassen sich oft besser außerhalb der größten Hitze planen.

Kühle Wohnräume werden immer wichtiger

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Temperatur in Innenräumen.

Besonders Wohnungen unter dem Dach oder in dicht bebauten Stadtgebieten können sich über mehrere Tage stark aufheizen. Problematisch wird dies vor allem dann, wenn auch nachts keine ausreichende Abkühlung mehr erfolgt.

Empfohlen wird:

  • morgens und nachts lüften
  • tagsüber Fenster geschlossen halten
  • Außenbeschattung nutzen
  • direkte Sonneneinstrahlung vermeiden

„Coole Zonen“ in Wien: Ein wichtiges Angebot während Hitzewellen

Viele Menschen verfügen jedoch nicht über ausreichend kühle Wohnräume. Gerade für ältere Personen, Alleinlebende oder Menschen in kleinen Stadtwohnungen kann eine längere Hitzeperiode zur echten gesundheitlichen Belastung werden.

Aus diesem Grund hat die Stadt Wien bereits vor einigen Jahren das Projekt der sogenannten „Coolen Zonen“ gestartet.

Was ursprünglich als Pilotprojekt mit wenigen Standorten begonnen hat, wurde aufgrund der positiven Erfahrungen schrittweise ausgebaut. Mittlerweile stehen in zahlreichen Wiener Bezirken frei zugängliche Aufenthaltsräume zur Verfügung, die speziell als Rückzugsorte während Hitzeperioden dienen.

Bei den „Coolen Zonen“ handelt es sich um angenehm temperierte Innenräume, beispielsweise in:

  • Büchereien
  • Nachbarschaftszentren
  • Pensionistinnen- und Pensionistenklubs
  • sozialen Einrichtungen
  • öffentlichen Gebäuden

Die Nutzung ist kostenlos und ohne Konsumzwang möglich.

Die Räume bieten eine angenehme Umgebungstemperatur, Sitzgelegenheiten, Trinkwasser und die Möglichkeit, dem Körper für einige Stunden Erholung von der Hitze zu verschaffen.

Aus medizinischer Sicht kann dies durchaus sinnvoll sein. Bereits wenige Stunden in einer kühleren Umgebung können Kreislauf und Herz-Kreislauf-System entlasten und das Risiko hitzebedingter Beschwerden reduzieren.

Gerade für ältere Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen stellen die „Coolen Zonen“ daher ein wertvolles Angebot dar.

Mehr zu Coolen Zonen unter: https://www.wien.gv.at/umwelt/coole-zonen

Warnzeichen ernst nehmen

Nicht jede Kreislaufschwäche ist harmlos.

Folgende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden:

  • starke Schwindelzustände
  • Verwirrtheit
  • ausgeprägte Schwäche
  • Herzrasen
  • Brustschmerzen
  • Atemnot
  • anhaltende Übelkeit
  • hohes Fieber
  • fehlende Schweißproduktion trotz großer Hitze

In schweren Fällen kann es zu einem Hitzschlag kommen. Dieser stellt einen medizinischen Notfall dar und erfordert sofortige Hilfe.

Unser Fazit

Hitze ist weit mehr als nur eine Frage des Wohlbefindens. Besonders für ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen kann sie zu einer ernsthaften gesundheitlichen Belastung werden.

Ausreichendes Trinken, angepasste körperliche Aktivität, kühle Aufenthaltsräume und Aufmerksamkeit für Warnzeichen können helfen, gesundheitliche Probleme zu vermeiden.

Nutzen Sie bei Bedarf auch die Wiener „Coolen Zonen“ als Möglichkeit zur Abkühlung und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten medizinischen Rat einzuholen.

Wenn Sie Fragen zu Ihren Medikamenten, Ihrem Blutdruck oder anderen gesundheitlichen Themen im Zusammenhang mit Hitze haben, beraten wir Sie gerne in unserer Ordination.