Ein Laborbefund kann auf den ersten Blick verunsichern: Zahlen, Abkürzungen, Referenzbereiche und vielleicht sogar rot markierte Werte oder Pfeile nach oben und unten. Schnell entsteht der Eindruck, dass etwas nicht stimmt.
Doch ein Wert außerhalb des angegebenen Bereichs bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung vorliegt. Umgekehrt schließen unauffällige Laborwerte nicht jede Krankheit aus. Entscheidend ist immer die ärztliche Gesamtbeurteilung.
Deshalb besprechen wir in der Praxis 23 grundsätzlich jeden Blutbefund – auch dann, wenn sämtliche Werte „grün“ beziehungsweise innerhalb des Referenzbereichs liegen. Wir empfehlen unseren Patient ausdrücklich, auf diese Befundbesprechung nicht zu verzichten. Nur so können die Ergebnisse im Zusammenhang mit Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und früheren Befunden richtig eingeordnet werden.
Was ist ein Referenzbereich?
Neben den meisten Laborwerten steht ein sogenannter Referenzbereich. Er beschreibt den Bereich, in dem die Messergebnisse der meisten gesunden Menschen liegen.
Üblicherweise umfasst ein Referenzbereich etwa 95 Prozent einer gesunden Vergleichsgruppe. Das bedeutet gleichzeitig: Rund fünf von 100 gesunden Menschen können bei einem bestimmten Wert außerhalb dieses Bereichs liegen, ohne krank zu sein.
Werden viele Werte gleichzeitig untersucht, ist es daher nicht ungewöhnlich, dass einzelne Ergebnisse markiert sind. Eine kleine Abweichung ist zunächst ein Hinweis – aber noch keine Diagnose.
Genauso wichtig ist die umgekehrte Betrachtung: Ein Wert innerhalb des Referenzbereichs ist nicht automatisch für jede Person optimal. Manche medizinischen Zielwerte hängen vom individuellen Risiko, von bestehenden Erkrankungen oder von einer laufenden Behandlung ab.
Warum können Laborwerte abweichen?
Laborwerte werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem:
- Alter und Geschlecht,
- Tageszeit der Blutabnahme,
- Essen und Trinken vor der Untersuchung,
- körperliche Anstrengung,
- aktuelle oder kürzlich überstandene Infektionen,
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel,
- individuelle Lebens- und Ernährungsgewohnheiten,
- Schwangerschaft oder Zyklusphase sowie
- die verwendete Untersuchungsmethode des Labors.
Auch Referenzbereiche können sich zwischen verschiedenen Laboren unterscheiden. Deshalb sollten Werte nicht ausschließlich mit Tabellen aus dem Internet oder mit Befunden anderer Personen verglichen werden.
Was bedeuten die häufigsten Gruppen von Laborwerten?
Blutbild
Das Blutbild umfasst unter anderem die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen.
Rote Blutkörperchen und der rote Blutfarbstoff Hämoglobin spielen eine wichtige Rolle beim Sauerstofftransport. Weiße Blutkörperchen gehören zum Immunsystem. Blutplättchen sind an der Blutgerinnung beteiligt.
Veränderungen können viele unterschiedliche Ursachen haben. Ein einzelner auffälliger Wert reicht meist nicht aus, um daraus eine bestimmte Erkrankung abzuleiten. Umgekehrt kann beispielsweise ein beginnender Eisenmangel bereits bestehen, bevor sich eine deutliche Blutarmut im Blutbild zeigt.
Entzündungswerte
Zu den häufig bestimmten Entzündungswerten zählen beispielsweise das C-reaktive Protein, kurz CRP, und die Anzahl der weißen Blutkörperchen.
Erhöhte Werte können auf eine Entzündung oder Infektion hinweisen. Sie sagen allein jedoch nicht zuverlässig, wo die Ursache liegt oder ob es sich um eine virale oder bakterielle Infektion handelt. Dafür sind Beschwerden, Untersuchung und gegebenenfalls weitere Tests notwendig.
Blutzucker
Blutzuckerwerte helfen bei der Beurteilung des Zuckerstoffwechsels. Dabei ist wichtig, ob die Blutabnahme nüchtern erfolgte und welche Untersuchung durchgeführt wurde.
Ein einmalig erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch Diabetes. Umgekehrt kann eine einzelne unauffällige Messung eine Störung des Zuckerstoffwechsels nicht in jeder Situation sicher ausschließen. Häufig sind Verlaufskontrollen oder ergänzende Werte sinnvoll.
Elektrolyte
Zu den wichtigsten Elektrolyten gehören Natrium, Kalium und Chlorid. Sie sind unter anderem für den Wasserhaushalt, die Funktion von Nerven und Muskeln sowie für einen stabilen Herzrhythmus von Bedeutung.
Abweichungen können beispielsweise bei Flüssigkeitsmangel, starkem Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, Nierenerkrankungen, hormonellen Störungen oder durch bestimmte Medikamente entstehen. Besonders entwässernde Medikamente und einige Herz- oder Blutdruckmedikamente können den Elektrolythaushalt beeinflussen.
Elektrolytwerte müssen deshalb immer gemeinsam mit der Nierenfunktion, der Trinkmenge, bestehenden Erkrankungen und der aktuellen Medikation beurteilt werden. Deutliche Veränderungen – insbesondere des Kalium- oder Natriumwertes – können medizinisch relevant sein und eine rasche Kontrolle oder Behandlung erforderlich machen.
Leber- und Nierenwerte
Sogenannte Leberwerte können Hinweise darauf geben, ob Leberzellen oder Gallenwege belastet sind. Nierenwerte wie Kreatinin und die daraus berechnete eGFR helfen bei der Einschätzung der Nierenfunktion.
Auch hier gilt: Die Werte müssen gemeinsam betrachtet werden. Alter, Muskelmasse, Medikamente, Flüssigkeitshaushalt und bestehende Erkrankungen können die Ergebnisse beeinflussen.
Eisenstatus
Eisen ist unter anderem für die Bildung des roten Blutfarbstoffs und damit für den Sauerstofftransport notwendig. Ein Eisenmangel kann sich beispielsweise durch Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme, Haarausfall oder Kurzatmigkeit bei Belastung bemerkbar machen. Diese Beschwerden können allerdings auch zahlreiche andere Ursachen haben.
Der reine Eisenwert im Blut reicht zur Beurteilung des Eisenhaushalts meist nicht aus, da er deutlich schwanken kann. Je nach Fragestellung werden daher zusätzlich weitere Parameter berücksichtigt:
- Ferritin als Hinweis auf die Eisenspeicher,
- Transferrin als Transporteiweiß,
- Transferrinsättigung,
- Hämoglobin und weitere Werte des roten Blutbildes sowie
- gegebenenfalls Entzündungswerte wie das CRP.
Besonders wichtig ist die gemeinsame Interpretation von Ferritin und Entzündungswerten. Ferritin kann bei einer Entzündung erhöht sein und dadurch einen Eisenmangel verdecken. Auch beim Eisenstatus ist daher die ärztliche Gesamtbeurteilung entscheidend.
Eisenpräparate sollten nicht allein aufgrund unspezifischer Beschwerden oder eines einzelnen Laborwertes eingenommen werden. Zunächst sollte geklärt werden, ob tatsächlich ein Mangel besteht und welche Ursache dahintersteckt.
Cholesterin und Blutfette
Beim Fettstoffwechsel werden häufig Gesamtcholesterin, LDL-, HDL-Cholesterin und Triglyzeride bestimmt.
Ob ein Wert behandlungsbedürftig ist, hängt nicht nur vom Referenzbereich ab. Entscheidend ist das gesamte persönliche Herz-Kreislauf-Risiko – beispielsweise Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Alter, familiäre Vorbelastung und bereits bestehende Gefäßerkrankungen.
Warum ist der Verlauf oft wichtiger als ein Einzelwert?
Ein einzelner Laborbefund ist eine Momentaufnahme. Häufig ist die Entwicklung über längere Zeit aussagekräftiger.
Ein Wert, der seit Jahren ähnlich ist, kann anders zu beurteilen sein als eine plötzliche deutliche Veränderung. Bringen Sie deshalb, wenn möglich, frühere Befunde zur Besprechung mit. So lassen sich Veränderungen besser erkennen und unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden.
Auch das ist ein Grund, weshalb wir es bevorzugen, wenn Blutabnahmen direkt in unserer Ordination durchgeführt werden: Dadurch liegen die Ergebnisse gesammelt in unserer Patientenakte vor und können zuverlässig mit früheren Befunden verglichen werden.
Blutabnahme in der Praxis 23
Unsere Blutabnahmen finden Dienstags und Donnerstags statt. Sie können sowohl mit Termin als auch ohne Termin zur Blutabnahme kommen. Achten Sie bitte auf die dafür ausgeschriebenen Zeiten. Wir empfehlen grundsätzlich eine jährliche Blutabnahme im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung. Personen ab 18 Jahren können die österreichische Vorsorgeuntersuchung einmal jährlich in Anspruch nehmen.
Wir bevorzugen es, wenn die Blutabnahme direkt bei uns erfolgt. Dadurch haben wir alle Befunde gesammelt in unserer Ordination, können die Ergebnisse mit früheren Untersuchungen vergleichen und die weitere Betreuung besser koordinieren.
Ein zusätzlicher Vorteil: Innerhalb von sieben Tagen können wir häufig noch unkompliziert einzelne Laborparameter nachfordern, sofern das vorhandene Probenmaterial für die gewünschte Untersuchung geeignet ist. Dadurch lässt sich in manchen Fällen eine weitere Blutabnahme vermeiden.
Blutabnahme mit Überweisung einer Fachärztin oder eines Facharztes
Sie können auch mit einer Laborüberweisung von anderen Fachärzt zu uns kommen. Wir führen diese Blutabnahmen sehr gerne durch.
Bitte beachten Sie jedoch, dass der Laborbefund in diesem Fall zunächst bei uns einlangt und in unserer Patientenakte gespeichert wird. Damit die überweisende Fachärztin oder der überweisende Facharzt die Ergebnisse erhält, können Sie den Befund über unseren Onlinezugang selbst weiterleiten.
Alternativ drucken wir Ihnen den Befund während unserer Ordinationszeiten gerne aus, damit Sie ihn zum nächsten Facharzttermin mitnehmen können.
Eigener Onlinezugang zu Ihren Laborwerten
Wir bieten unseren Patient einen persönlichen Onlinezugang zu unserem Labor an. Damit können Sie Ihre Laborwerte jederzeit selbst einsehen und bei Bedarf an weiterbehandelnde Ärzt übermitteln.
Wenn Sie diesen Zugang nutzen möchten, fragen Sie bitte direkt an unserem Schalter nach. Unser Team hilft Ihnen gerne bei der Einrichtung.
Auch wenn alle Werte online bereits sichtbar sind, empfehlen wir weiterhin eine ärztliche Befundbesprechung. Zahlen und farbliche Markierungen allein ersetzen keine medizinische Interpretation.
Private Laborparameter und Titerbestimmungen
Zusätzlich zu den von der Krankenkasse übernommenen Untersuchungen können auf Wunsch auch private Laborparameter bestimmt werden. Das gilt insbesondere für verschiedene Titerbestimmungen, etwa zur Überprüfung vorhandener Antikörper.
Welche Untersuchung möglich und medizinisch sinnvoll ist und welche Kosten dabei entstehen, erfahren Sie direkt an unserem Schalter. Private Laborleistungen können in unserer Ordination bar oder mit Karte bezahlt werden.
Auch Vitaminbestimmungen können auf Wunsch als Privatleistung durchgeführt werden. Leider wurde die Kostenübernahme für viele Vitaminparameter durch die österreichischen Krankenversicherungsträger deutlich eingeschränkt. Davon ist insbesondere auch Vitamin D betroffen.
Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag: Vitamine sind künftig überwiegend Privatleistungen.
Was bedeutet „nüchtern zur Blutabnahme“?
Nicht jede Blutuntersuchung muss nüchtern erfolgen. Bei bestimmten Fragestellungen kann es jedoch erforderlich sein, vor der Blutabnahme nichts zu essen und keine kalorienhaltigen Getränke zu konsumieren.
Ob Sie nüchtern kommen sollen, erfahren Sie bei der Terminvereinbarung oder direkt bei unserem Team. Bitte setzen Sie Medikamente vor einer Blutabnahme niemals eigenständig ab. Informieren Sie uns über regelmäßig eingenommene Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, damit diese bei der Beurteilung berücksichtigt werden können.
Wann ist eine Befundbesprechung sinnvoll?
Unsere klare Empfehlung lautet: Jeder Blutbefund sollte ärztlich besprochen werden – auch wenn alle Werte innerhalb des Referenzbereichs liegen.
Besonders wichtig ist die Besprechung, wenn:
- mehrere Werte verändert sind,
- eine deutliche Abweichung vorliegt,
- neue oder anhaltende Beschwerden bestehen,
- sich ein Wert im Vergleich zu früher stark verändert hat,
- eine Kontrolluntersuchung empfohlen wurde,
- Medikamente angepasst wurden oder
- Sie unsicher sind, was das Ergebnis für Sie persönlich bedeutet.
Dabei werden nicht nur einzelne Zahlen betrachtet, sondern auch Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, körperliche Untersuchung und frühere Befunde einbezogen. So kann auch bei einem auf den ersten Blick vollständig „grünen“ Labor erkannt werden, ob weitere Kontrollen oder Untersuchungen sinnvoll sind.
Unser Fazit
Laborwerte liefern wertvolle Hinweise, sind aber nur ein Teil des medizinischen Gesamtbildes. Ein Pfeil oder eine rote Markierung bedeutet nicht automatisch, dass eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Ebenso sollte ein unauffälliger Befund nicht isoliert betrachtet werden.
In der Praxis 23 bieten wir Blutabnahmen Dienstags und Donnerstags mit oder ohne Termin an. Wir besprechen jeden Befund, ermöglichen einen persönlichen Onlinezugang zu den Ergebnissen und führen auf Anfrage auch private Laborparameter und Titerbestimmungen durch.
Wir empfehlen, Blutabnahmen möglichst direkt bei uns durchführen zu lassen. So bleiben Ihre Ergebnisse vollständig an einem Ort, können mit früheren Befunden verglichen und innerhalb von sieben Tagen häufig noch um weitere Parameter ergänzt werden.
Bitte bringen Sie – sofern vorhanden – frühere Laborbefunde, eine aktuelle Medikamentenliste und gegebenenfalls die Überweisung Ihrer Fachärztin oder Ihres Facharztes mit.
Weiterführende Informationen
- Österreichisches Gesundheitsportal: Was sind Referenzwerte?
- Österreichisches Gesundheitsportal: Die Blutuntersuchung
- Laborbefund und Vorsorgeuntersuchung
- Informationen zum Eisenwert
- Informationen zum Ferritinwert
- Praxis 23: Vitamine sind künftig überwiegend Privatleistungen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Befundbeurteilung.
